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Die Zehdenicker Schützengilde 1842 e.V. im Wandel der Zeit
(Stand: 22.05.2017)
 
Gründung
Gegründet wurde die „Korporierte Schützengilde Zehdenick“ am 17. Juli 1841 von damals 70 Bürgern der Stadt Zehdenick, überwiegend Gewerbetreibende, Kaufleute und Gastwirte.
Überliefert sind die Namen des ersten Vorstandes, der aus vier Mitgliedern, einem Rendanten und einem Sekretär bestand. Hinzu kamen ein Hauptmann, drei Leutnants, ein Feldwebel und acht Unteroffiziere.
Spätere Vorstände setzten sich aus dem 1. Vorsitzenden, dem 2. Vorsitzenden, einem Hauptmann, einem Kassierer und stellvertretenden Kassierer, Schriftführer mit Stellvertreter, 1. und 2. Offizier sowie 1. und 2. Unteroffizier zusammen. Heute sind die damaligen Offiziere die verantwortlichen Kameraden für Waffen und Standaufsichten.
Schützengilden dienten damals in erster Linie der Gefahrenabwehr und der Verteidigung ihrer Städte und Ortschaften. Sie hatten in Zeiten der Monarchie sogar Polizeigewalt.
 
Schützenfeste und Königsschießen
Von Beginn an nahm die Traditionspflege einen zentralen Platz ein.  So führte auch die Zehdenicker Schützengilde seit ihrer  Gründung Schützenfeste durch, die ganz bewusst als Volksfeste gefeiert wurden.
Das erste Königsschießen fand am 15. Oktober 1841 statt.
Man hatte strenge Rituale. So wurde am Vorabend des Schützenfestes mit einem Zapfenstreich die Nachtruhe der Schützen angekündigt. Am darauf folgenden Morgen erfolgten der Weckruf und das Zusammenrufen der Schützen durch Trommelschall und Hörnerklang. Anschließend fand ein Aufmarsch mit Vereinsfahne und nachfolgendem Spielmannzug statt. Dies wurde meistens ab der 9. Stunde des Schützenfestes vom Rathaus aus begonnen. Wer hier nicht mitmarschierte wurde vom Königsschießen ausgeschlossen und musste einen Taler Strafe zahlen, so streng waren damals die Sitten.
Es war ein Volksereignis, dass über zwei Tage ging und die ganze Stadt und das Umland zum Feiern beflügelte.
Im Laufe des ersten Tages wurden der Schützenkönig und die ersten beiden Ritter (also der 1., 2. und 3. Platz) ausgeschossen. Neben der Königskette für den Schützenkönig erhielten die ersten beiden Ritter eine silberne Medaile. Außerdem stand dem Schützenkönig für 1 Jahr die sogenannte Schützenwiese zur freien Benutzung zur Verfügung. Der Schützenball fand am folgenden Abend statt.
Damals trennte man das Königsschießen von dem Vogelschießen, der Adler wurde im Nachgang, meistens im August geschossen und der Vogelschütze wurde separat dekoriert.
Wegen des 1. Weltkrieges fanden bis 1918 keinerlei Schützenfeste statt, der letzte Eintrag in der Chronik war 1914. Hier wurde eine Spende von 100 Mark an die Angehörigen eines gefallenen Kameraden gezahlt. Erst im Juni 1919 feierte die Schützengilde das erste Mal wieder ein Schützenfest.
Einer Aufzeichnung im Mai 1924 nach, wurde ein neuer Schießstand mit 11 Einzelständen eingeweiht, hierzu wurden 300 bis 400 Schützen erwartet, es war wieder ein wahres Volksfest.
Das 100 – jährige Jubiläum 1941 fiel durch den 2. Weltkrieg aus.
Jubiläen
Am 1. und 2. Juni 1891, zum 50´sten Jubiläum der Schützengilde, wurde ganz Zehdenick geschmückt. Hierfür stellte die königliche Forstverwaltung das erforderliche frische Laub sowie die Tannenzweige kostenlos den Zehdenicker Bürgern zur Verfügung. Die Schulen waren den ganzen Tag über geschlossen. Es feierte die ganze Stadt zwei Tage lang mit Festzügen, Festwagen, Herolden zu Pferde, Musikcorps, Kutschen mit Ehrenjungfrauen, Turnvereinen und Feuerwehren. Aber auch die Nachbarstädte mit ihren Schützenvereinen waren dabei. Der Prachtzug soll 100 m lang gewesen sein. Das Fest mit Konzerten und Tanzvergnügen und schlussendlich mit einem Fackelzug.
Das Schützenwesen in den Jahren des Nationalsozialismus
In Jahren der Herrschaft der Nationalsozialisten nach 1933 wurde die Eigenständigkeit der Zehdenicker Schützengilde Schritt für Schritt unterhöhlt.
In einer ersten Phase wurde sie, zusammen mit vielen Schützenvereinen im Deutschen Reich, unter das Dach des Deutschen Schießsportverbandes gestellt. 1936 erfolgte in einer zweiten Phase die Auflösung der alten Verbände und die Zentralisierung aller Schützen im neuen Deutschen Schützenverband. Schließlich wurden in einer dritten Phase die Schützen ab 1938 in das Organisationsnetz der NSDAP integriert, indem der Nationalsozialistische Reichsbund für Leibesübungen (NSRL) als NS-Dachverband des Sports errichtet und kurze Zeit später im Kontext der „Wehrerziehung“ der männlichen Bevölkerung an die SA angebunden wurde.
Die 1925 gegründete Jungschützenabteilung wurde in Umsetzung der Kriegsziele der Nazi`s vom Schießsport zum Wehrsport unter dem Motto „Üb Aug- und Hand fürs Vaterland“ ausgerichtet.
Zwei wesentliche Ziele der NS-Führung sollten auch im Deutschen Schützenbund verfolgt werden: Die Pflege von Führerkult und „Volksgemeinschaft“ und die „Wehrhaftmachung“, also die Steigerung der Kriegsfähigkeit. (vgl. „Zwischen Ausblendung und Aufarbeitung-Der Umgang mit der NS-Vergangenheit in Vereinen und Verbänden kollektiver Freizeitgestaltung von Henning Borggräfe)
1935 brannte das Schützenhaus ab, wurde aber ein Jahr später wieder auf dem alten noch vorhandenem Fundament aufgebaut.
Während der Kriegsjahre sind uns nur zwei Schützenfeste, die 1939 und 1940 gefeiert wurden, bekannt.
Das Schützenwesen in der sowjetischen Besatzungszone und in der DDR
Nach dem letzten Weltkrieg, während der sowjetischen Besatzungszeit, wurden Schützenvereine nicht mehr geduldet. Bewaffnete Schützenkameraden passten nicht mehr in das „Bild des neuen Menschen“ der damals Herrschenden.
Doch schon mit der Gründung der DDR wurde der Schießsport schnell wieder aufgebaut, auch wenn er unter staatliche Obhut gestellt und ideologischen Zielen untergeordnet wurde.
Der Deutsche Schützenverband der DDR (DSV) wurde der Gesellschaft für Sport und Technik (GST), einer vormilitärischen Massenorganisation, zugeordnet. Somit war die GST auch für die olympische Sportart "Sportschießen" zuständig und in das olympische Programm der DDR eingebunden. Sie delegierte talentierte Nachwuchsschützen an die Kinder- und Jugendsportschulen und Trainer zum Studium an die Deutsche Hochschule für Körperkultur (DHfK) in Leipzig. Die Sportschützen der DDR konnten Olympiasiege, Europa- und Weltmeistertitel erringen. Der Deutsche Schützenverband der DDR war mit 247.000 Sportschützen der mitgliederstärkste Verband im Bereich der GST und seit 1960 Mitglied der Internationalen Schützenunion UIT.
Der Neubeginn 1990 in einem wiedervereinten Deutschland
Der Neubeginn 1990 mit der Reinkarnation – der erneuten Gründung der Schützengilde Zehdenick- die fortan Zehdenicker Schützengilde 1841 e.V. heißt, beruht auf die Gründungsmitglieder Fritz Otto, Wolfgang Rahn (beide verstorben), Petra Dahms, Roland Arndt, Ralf Neuguth, Lutz Kohlermann, Ralf Karp, Gerd Pfenner, Werner Witte, Silke Otto, Bernd Peckel, Hermann Suhr, Bernhard Paul, Lothar Staffe, Holger Baade und ?. Kocziolek .
Die Gründungsversammlung fand am 21. Juni 1990 statt.
Das Schützengelände mit Schießstand und Saalgebäude befand sich nicht mehr im Vereinsvermögen. Es war im Besitz der Treuhandverwaltung und sehr heruntergekommen und marode. Es musste nachträglich vom Schützenverein neu erworben werden, da der Antrag auf Rückführung nicht gewährt wurde. Nun mussten Kredite beantragt, Bürgen gefunden und die Kredite bewilligt werden. Mittlerweile ist der Verein schuldenfrei.
Es sei erwähnt, das die Zehdenicker Partnerstatt Castrop-Rauxel mit ihrem Heinrichenburger-Allgemeine- Bürger- Schützen- Verein hierbei unserem Verein die sogenannte Schützenhilfe bei den Amtsangelegenheiten erteilte.
Der Neubau der Schießanlage begann am 17. Oktober 1991, jedoch erst am 29. Januar 1996 wurde die polizeiliche Erlaubnis zum Betreiben unserer Schießanlage erteilt. Zwischenzeitlich schoss man auf Anlagen benachbarter Schützenvereine.
Im März 2005 erfolgte der Aufbau der 100 m – Anlage mit 2 Einzelständen, hier hatte der Schützenkamerad Roland Renner fachlich und montagetechnisch einen maßgeblichen Anteil. Die Bauleistungen wurden überwiegend in Eigenleistung erbracht. Viele Zehdenicker Firmen, - alle hier aufzuführen würde den Rahmen sprengen – haben sich als Sponsoren unterstützend daran mit Sach- und Geldspenden betätigt.
Ein Schützenverein ist allerdings nichts ohne eine Vereinsfahne. Nach dem Entwurf von Kuno Lomas und der Herstellung der Fahne erfolgte am 01.06.1996 die Einweihung der Vereinsfahne vor dem Zehdenicker Rathaus durch das Präsidiumsmitglied des Brandenburgischen Schützenbund Herrn Roland Rantsch.
Ende des Jahres 2012 wurde die Zehdenicker Schützengilde durch eine Kanone vom  Kaliber 4,5 cm bereichert. Diese Kanone wurde im Eigenbau durch die Schützenkameraden Torsten Liemer und Dieter Hopp entworfen und hergestellt. Nach dem staatlichen Beschuss in Suhl ist unsere Kanone mit Namen Marie-Luise waffentechnisch zugelassen. Sie wird allerdings ausschließlich zum genehmigten Böllerschießen verwendet.
Unsere derzeit 91 Mitglieder sind Teil des gesellschaftlichen Lebens in Zehdenick und nehmen regelmäßig an Schießsportwettkämpfen, wie den Kreis-, Landesmeisterschaften und der Deutsche Meisterschaft, teil.
Im Rahmen der Jugendarbeit finden jährlich regelmäßig Luftgewehr-Pokalschießen mit Schülern in der Turnhalle der Exin-Oberschule statt.
Aber auch die Teilnahmen an gesellschaftlichen Höhepunkten (beispielsweise die 800-Jahrfeier der Stadt Zehdenick, Schützenfeiern, Salutschießen für Geburtstage, Hochzeiten, Fackelzüge, Einweihungen) gehören zu den Aufgaben unserer Schützengilde.